URL: www.caritas-nds.de/pressemitteilungen/tarifvertrag-und-mehr-zeit-gefordert/1076638/
Stand: 08.12.2016

Aktuelles / August 2017

Osnabrück

Tarifvertrag und mehr Zeit gefordert

DiskussionsrundeLudger Abeln moderierte die Diskussion zur Pflegesituation zwischen Filiz Polat, Franz Loth, Burkhard Jasper, Frank Henning und Dr. Thomas Thiele (v.lks).Foto: Caritas/Roland Knillmann

"Die Mitarbeitenden in unseren Pflegeeinrichtungen verdienen optimale Arbeitsbedingungen und hohe Wertschätzung für ihre herausfordernde Arbeit! Wenn uns das gemeinsam mit Politik, Pflegekassen und Angehörigen nicht gelingt, müssen wir uns nicht wundern, dass wir einen Fachkräftemangel haben."
Mit klaren Worten wies Franz Loth, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Altenhilfe der Caritas in Niedersachsen, in aller Deutlichkeit darauf hin, worauf es ankommt. "Mich ärgern die pauschalen Verdächtigungen, die man immer wieder hört. Das wird den Pflegekräften nicht gerecht. Mit diesem Schlechtreden bewirkt man Frustration und Berufsflucht - das Gegenteil von dem, was nötig ist."
Franz Loth, zugleich Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Osnabrück e.V., äußerte sich im Rahmen der diesjährigen Mitgliederversammlung der Caritas-LAG Altenhilfe.

Loth macht deutlich, dass Wertschätzung auch im Geldbeutel zu spüren sein muss: "Die Pflegenden müssen angemessen bezahlt werden. Im Klartext: Nach einem Tarifvertrag, wie ihn zum Beispiel die Caritas seit jeher hat." 
Aktuell ist es noch immer so, dass die Kosten für einen Pflegeplatz auch von der Höhe der Gehälter abhängen, die in Niedersachsen jeder Träger selbst festlegen kann. Damit wird der Wettbewerb zwischen den Häusern über die Entlohnung der Mitarbeitenden geführt. "Das muss der Vergangenheit angehören. Ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag für die Pflege würde hier einen Riegel vorschieben," betont Franz Loth. 
Zudem müssten die Rahmenbedingungen in der Pflege verbessert werden, damit wieder mehr Zeit für den Menschen bliebe. Schließlich sei die Pflegeausbildung so attraktiv wie möglich zu gestalten, um auch in Zukunft Menschen für diesen herausfordernden, gleichzeitig auch lohnenden Beruf zu finden. 

Bei dieser Mitgliederversammlung mitten im Bundes- und Landtagswahlkampf war der Austausch zu pflegepolitischen Positionen besonders relevant. So gab es eine Podiumsdiskussion zur zukünftigen Pflegepolitik, an der neben Franz Loth auch Frank Henning MdL (SPD), Burkhard Jasper MdL (CDU), Filiz Polat MdL (Bündnis 90/Die Grünen) und Dr. Thomas Thiele (FDP) unter der Moderation von Ludger Abeln teilnahmen. Einig war sich die Runde bei der Forderung nach einem allgemeingültigen Tarifvertrag für die Pflege. Unterschiede wurden hingegen deutlich bei der Frage, ob ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern sinnvoll ist oder ob die Pflege als Bereich der Daseinsvorsorge anders geregelt werden muss. Frank Henning (SPD) betonte, dass er gegen die bestehende Situation am Pflegemarkt sei: "Ich bin überzeugt, dass die gemeinwohlorientierten Unternehmen wie Caritas oder AWO die bessere Arbeit geleistet haben." Dr. Thomas Thiele (FDP) plädierte hingegen für einen Mix der Anbieter: "Wenn es die privaten Anbieter nicht gegeben hätte, hätten wir bei der Organisation der ambulanten Pflege immer noch Probleme." Burkhard Jasper (CDU) betonte die regulierende Rolle der Politik: "Markt allein führt nicht zu guten Ergebnissen. Wenn wir soetwas machen, brauchen wir eine starke Wettbewerbspolitik." Filiz Polat (B‘90/Die Grünen) unterstrich den besonderen Charakter der Pflegeversorgung: "Die Daseinsvorsorge darf nicht privatisiert werden!" 

In der Landesarbeitsgemeinschaft Altenhilfe der Caritas in Niedersachsen sind insgesamt 180 stationäre, teilstationäre und ambulante Einrichtungen vertreten, in denen jährlich ca. 27.000 Personen von ca. 8.500 Mitarbeitenden betreut werden.

Copyright: © caritas  2017